Weltumseglung

1996/97 bin ich als erster deutscher Regatta Amateur Weltumsegler in Ost-West-Richtung um die Welt gesegelt.

Das war bei der BT Global Challenge 1996/97 Round the Word Yacht Race
  „the worlds toughest yacht race“

Hier ein paar Video-Eindrücke.

Original Footage aus 1996/97

Das Video zeigt Schwer-Wetter-Segeln, wie wie es an mindestens 30 Tagen der insgesamt 172 Seetage erlebt haben. Nicht umsonst wurde die Regatta die „schwerste Weltumsegelung der Welt (the world’s toughest yacht race)“ genannt!

Hinweis: Die Betonung liegt auf Ost-West-Richtung, also gegen Wind und Wellen. Eigentlich gehen alle Weltumsegelungen immer mit dem Wind und somit von West nach Ost. Die Global Challenge ist und war die einzige Regatta dieser Art. Außerdem muss, streng genommen, eine maritime Weltumsegelung die drei Caps ‚Cape Horn (Südamerika)‘, ‚Cape of Good Hope (Südafrika)‘ und das ‚Cape Leeuwin (Australien)‘ südlich umrunden, sowie eine Insel nördlich 20 Grad Nord umrunden. Das bedeutet, dass Weltumsegelungen, die den Panama Kanal benutzen, z.B. das Clipper Race, welches auch in Ost-West Richtung geht, streng genommen keine maritime Weltumsegelung ist (es fehlt Kap Hoorn).

Derzeit gibt es nur fünf weitere Deutsche, die sich Ost-West-Regatta-Weltumsegler nennen dürfen.

  • Ralph Weisener aus Hamburg – er war bei der BT Global Challenge 2000/01 als einziger Deutscher dabei
  • Birgit Obermüller aus Bremerhaven – sie war bei der Global Challenge 2004/05 als erste Deutsche (weiblich) dabei
  • Holger Bindel aus Thüringen (bzw. Norwich/England) – er war bei der Global Challenge 2004/05 dabei
  • Jürgen Dieris aus Kempen/Erkrath – er war bei der Global Challenge 2004/05 dabei
  • Barbara Sturdy damals wohnhaft Hongkong – sie war bei der Global Challenge 2004/05 dabei
  • Desweiteren gibt es noch Wilfried Erdmann, der 2004/2005 diese Global Challenge Route unabhängig von der Regatta nonstop und alleine gesegelt ist. Im Alter von 60 Jahren wohlgemerkt!

Wie kam ich zum Segeln?

Ich bin gebürtiger Schleswig-Holsteiner und man sollte vermuten, meine Segelleidenschaft kommt daher. Weit gefehlt. Ich habe im Frühjahr 1992, mit 28, als ich London lebte und arbeitete, zum ersten mal ein Segelboot betreten. Mein damaliger Chef und guter Freund Charles Steadman, wir wohnten zusammen mit einem dritten Programmierer in einer Art WG zusammen, war Hobby Segler und ich begleitete ihn mal bei einem Wochenendtörn auf einer 32 Fuß Yacht in Southampton/Südengland. Der Segeltörn gefiel mir so gut, dass wir fortan alle paar Wochen einen Wochenendsegeltörn im Solent machten. Die 32 Fuß Westerly Fulmars wurden uns mit der Zeit zu klein und wir charterten dann meistens 38 bis 43 Fuß Westerly Yachten. Meistens waren wir zu dritt oder zu viert.

Wir hatten einen guten Kontakt zu unserem Vercharterer Pete, dem Inhaber von B.O.S.S British Offshore Sailing School in Hamble. Am Rande der Southampton Boat Show im September 1992 sprachen wir bei einem Bier über die ex-Whitbread Round the World Yacht’Maiden‘, die unter Skipperin Tracy Edwards mit einer reinen Frauencrew segelte. Die Yacht Maiden stand zum Verkauf und mein Chef Charles interessierte sich für den Kauf der Yacht, denn sie sollte unglaublich billig zu haben sein. Eine Woche später sagte er uns, die schlechte Nachricht ist, die Yacht ist leider schon verkauft (für GBP 60.000, ca. € 90.000). Ein Spotpreis, wenn man bedenkt, dass sie sicherlich € 1 Million gekostet hat. Die gute Nachricht aber ist, der Neffe des Käufers ist mein Segelschüler. Charles sagte prompt „dann sorge doch dafür, dass du das Management für die Yacht bekommst“.

Vier Monate später, auf der London Boat Show im Januar 1993, kamen wir zu seinem Stand und er begrüßte uns gleich mit dem Satz: „Schön euch zu sehen, ich habe auf euch gewartet. Ich habe das Management für Maiden bekommen und wir werden dieses Jahr mehrere Regatten mitsegeln, unter anderem die Fastnet Regatta. Euch beide habe ich schon in der Crew Liste eingetragen. Ihr müsst nur noch hier unterschreiben und einen Scheck über GBP 2800 (ca. €  4.200) ausstellen.“ (Ich habe damals ganz gut Geld verdient!)

Die ersten Regatten

So segelte ich in 1993 also etliche Regatten auf einem echten Racer. Unter anderem das Channel Race, Round the Island Race und natürlich die legendäre 5-tägige Fastnet Regatta 1993.

Im September 1992 begann außerdem die British Steel Challenge Regatta in Southampton. Eine Regatta mit 10 baugleichen, speziell für die Regatta gebauten, 67 Fuß Stahlyachten, die „falsch herum“ um die Welt segeln wollten, also von Ost nach West, gegen Wind und Wellen. Organisiert wurde es von Chay Blyth, der 1971 als erster nonstop und einhand ‚falsch herum‘ und die Welt segelte (kurz nachdem Robin Knox-Johnston als erster nonstop und einhand ‚richtig herum‘ um die Welt segelte). Die Regatta startete in meinem ‚Heimathafen‘ Ocean Village Marina in Southampton. Die gesamte Segelwelt und die Presse erklärte Chay Blyth für verrückt und warf ihm vor, dass Leben von 140 Seglern unverantwortungsvoll aufs Spiel zu setzen. Er aber zeigte es allen. Die Yachten waren und sind auch noch heute die sichersten Hochseeyachten der Welt, die zwei-jährige Ausbildung der Amateur Crew war und ist super und er legt auch heute noch quasi die Sicherheits-Standards fest.

Ich verfolgte die Regatta vom Start bis Ziel, kaufte am Tag vor dem Start ein T-Shirt der Crew ‚Nuclear Electric‘. Und siehe da, sie gewannen überraschend, obwohl die Favoriten Yacht ‚Hofbräu Lager‘ unter Skipper Pete Goss war. Ja, Pete Goss, der ein paar Jahre später Weltruhm bei seiner Teilnahme an der Vendee Globe Challenge erhielt. Nicht nur durch die abenteuerliche, waghalsige und ehrenhafte Rettung von Raphael Dinelli. Der Zieleinlauf der Global Challenge Regatta war einfach nur super. An einem schönen, sonnigen Sonntag Nachmittag trafen innerhalb weniger Stunden 8 Yachten nach einem 6-wöchigen Törn von Kapstadt in Southampton ein.

Ich war dem Hochsee-Segelregatta-Sport verfallen. Ich hätte gerne an der British Steel Challenge teilgenommen, allerdings sollte es ein einmaliger Event werden. Wenige Monate später rief Chay Blyth eine Wiederholung für 1996 aus. Leider lagen wenige Stunden nach der Bekanntgabe im BBC Fernsehen über 2000 Anmeldungen für nur knapp 300 Crew Plätze vor.

Teilnehmer der BT Global Challenge 1996/97

Im Frühjahr 1995, ich war gerade einen Monat vorher nach Hamburg gezogen, las ich in der englischen ‚Yachting World‘ einen kleinen Artikel, dass für die BT Global Challenge 1996/97 noch wenige Crew Plätze für nicht-englische Teilnehmer zur Verfügung stehen, da der Sponsor BT (British Telecom) mehr Internationalität wünschte. Ich zögerte nicht lange und schon 2 Wochen später flog ich nach England, um mich persönlich bei einem Gespräch mit Chay Blyth zu qualifizieren. Urplötzlich hatte ich nur noch 15 Monate bis Regattastart, war GBP 16.000 (ca. € 24.000) ärmer und trotzdem überglücklich.

Von nun an nutzte ich jede frei Minute, jeden zur Verfügung stehenden Urlaubstag und jeden Pfennig für die Vorbereitungen zur Regatta. Ich nahm an drei 14-tägigen Trainingstörns in England teil, segelte im Sommer 1996 mehrfach bei sogenannten Corporate Days mit Gästen von Sponsoren im Solent teil und trainierte mit meiner zukünftigen Crew und unserem irischen Skipper Tom O’Connor, inkl. einer 6-tägigen Global Challenge Fastnet Regatta. Wir lernten das Segeln von Grund auf, übten alle nur möglichen Manöver zig Mal, machten sicherlich über 100 Mann-über-Bord-Manöver, inkl. einer praktischen Hubschrauber Rettung. Wir waren, wie fast alle 300 Teilnehmer, bestens vorbereitet. Aber für eine solche Regatta, kann man nie gut genug vorbereitet sein. 

Während der Regatta lernte ich viele große Segel Persönlichkeiten hautnah kennen. Neben dem bereits erwähnten Pete Goss auch Mike Golding, der als Skipper von Group 4 die BT Global Challenge 96/97 gewann. Aber auch Andrew Hindley, damaliger Skipper von ‚Save the Children‘ und mein Trainingsskipper, späterer Co-Skipper des größten, aber leider zu früh gesunkenen, Katamarans ‚Team Philips‘ unter Skipper Pete Goss, und späterer Race Control Chef des Volvo Ocean Races.

Ich könnte noch viele weitere Namen nennen, die ich während der Regatta und danach persönlich kennen gelernt habe, aber das würde den Umfang der Seite sprengen. Dazu gehören unter anderem Steve Fosset, Ellen Mac Arthur, Tim Kröger, Wilfried Erdmann und andere.

Das Segeln nach der Weltumsegelung

Das Segeln nach der Weltumsegelung war leider nicht mehr so umfangreich und spektakulär. Zusammen mit Karl-Heinz Böhm nahm ich 1998 an der Kieler Woche teil. Ich segelte bei zwei Überführungstörns mit und segelte ein paar mal im Ijsselmeer und noch einmal im Solent und in der irischen See.

Aus zeitlichen, beruflichen und örtlichen Gründen war es das leider mit dem Segeln 🙁